Ein ausführlicher Rückblick auf die Geschichte des Flugsportes in Schameder.

2009-Heute

In den vergangenen Jahren wurde die Landebahnverlängerung stetig weitergeführt und seit 2016 ist diese für den Windenbetrieb der Segelflieger freigegeben. Dies ermöglicht nun eine Ausklinkhöhe von bis zu 400m. Die Bahnverlängerung für den gesamten Flugbetrieb wird in naher Zukunft zur Verfügung stehen.

Außerdem wurde eine Flugzugpark-Umstellung durchgeführt, um sich an die veränderten Bedürfnisse anzupassen. So wurde unsere geliebte Morane D-EOWJ verkauft, um Platz für neues zu schaffen. Unserer Diamond HK 36 (Super Dimona) wurde eine F-Schlepp Kupplung und ein neuer Motor mit 115 PS Leistung eingebaut. Hierdurch konnte die Morane als Arbeitspferd ersetzt werden, und die Flugzeugschlepps werden seit dem mit der Super Dimona durchgeführt. An das Flugbild haben sich schnell alle gewöhnt und die Vorteile des harmonischeren Flugzeugschlepps wurden deutlich. Hinzu zu unserem Flugzeugpark kam ein Ultraleichtflugzeug Namens Sky Ranger. Dieser hat sich sehr schnell etabliert und gehört heute zu den am meisten genutzten Flugzeugen im Verein. Der Twin-Astir D-8144 wurde wieder verkauft und ein Janus B mit 18,2m Spannweite wurde angeschafft. Dieser ermöglicht es durch seine Flugeigenschaften und zwei Sitzen große Streckenflüge durchzuführen und bietet den Segelfliegern ein gutes Flugzeug für gemeinsame Ausflüge. Dieser wurde seitdem schon auf 2 Wettbewerbe, 2 Sommerlager und mehrere Ausflüge zur Porta Westfalica mit auf Reise genommen und bescherte den Vereinsmitgliedern viele schöne Flüge.

Auch das Flugplatzbild hat sich verändert, so kam eine weitere Halle hinzu, da der Platz für private Flugzeuge in den Vereinshallen nicht mehr ausreichte.

2006-2009

In den Jahren 2006 bis 2008 gingen die Planungen des Industrieparks in die Ausführung über. Der gesamte Hochwald südlich der Bahn und des Ostendes wurde gerodet und das Gelände planiert. Man kann nun vom Turm und von der Kantine auf die Leimstruther Höhe schauen. Das ständige Lee im Anflug auf die 28 ist Geschichte. Die Landebahnverlängerung im Osten wurde in Angriff genommen, die Zufahrtsstraße zum Flugplatz wurde um die neue Landebahn gebaut und in Betrieb genommen. Der Flugplatz Schameder präsentiert sich nun in einem vollkommen neuem „Outfit", hat aber die alten Qualitäten behalten. Die Nachwuchsprobleme, mit denen jeder Verein seit Anfang dieses Jahrtausends zu kämpfen hatte - von denen auch der FSV Schameder Wittgenstein nicht verschont wurde - haben sich glücklicherweise fast von selbst gelöst: Im Jahr 2009 durfte der Verein 5 neue Segelflugschüler und eine einsitzige LS4 D-1058 als Neuzuwachs begrüßen.

2000-2006

Das Jahr 2000 kam und für den Verein lief alles in gewohnten Bahnen. Dies sollte sich jedoch bald ändern. Der Club Astir D-8742 wurde bei einer harten Landung stark beschädigt und anschließend veräußert. Der Verlust dieses Flugzeuges wurde in 2002 durch den Kauf einer neuen ASW 28 D-9728 mehr als kompensiert. Dieses Flugzeug aus dam Hause Alexander Schleicher, konstruiert von Herrn Waibel setzte einen neuen Maßstab im Segelflugzeugbau. Die Planungen für den Industriepark Wittgenstein liefen an. Ein Industriegebiet südlich des Flugplatzes sollte entstehen. Im Zuge dieser Entwicklung entschloss man sich, die lange geplante Erweiterung des Flugplatzgeländes und die Landebahnverlängerung im Osten des Flugplatzes in Angriff zu nehmen. Hierzu wurden Grundstückskäufe notwendig, die aber das finanzielle Budget des Vereins zu weit überspannt hätten. So entschloss man sich schweren Herzens im Jahr 2003, die beliebte DG 505 D-6401 zugunsten des Grundstückkaufs zu veräußern. Um den Verlust des Doppelsitzers zu kompensieren wurde wieder ein Twin Astir D-8144 angeschafft. Dieses Flugzeug wurde vorher von der Britischen Luftwaffe (Royal Air Force) geflogen und man sagt, Prinz Charles hätte einst einen Start in diesem Flugzeug absolviert.

 

Gründung -2000

Die Fliegerei in Schameder begann in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Friedrich Wilhelm Radenbach - 1892 in Schameder geboren - war Flieger im 1. Weltkrieg und zusammen mit dem Druckereiinhaber Walter Schmidt aus Laasphe verantwortlich für das Zustandekommen der Fliegerei in Schameder.

 

Letztgenannter trug auch das finanzielle Risiko für den ersten Großflugtag in Schameder am 8. 5. 1927. Die Ausführung oblag den Raab-Katzensteinschen Flugzeugwerken aus Kassel mit drei (!) Flugzeugen. Der Flugtag war mit über 10.000 (!!) Zuschauern ein großer Erfolg.

Auch finanziell gesehen. So bildete sich um den Fluglehrer Groos eine Gruppe, die mit dem „Hangwind" und nachher mit dem „Hol`s der Teufel" eifrig schulten. 1934 wurde die „Hans-Böhmer-Halle" errichtet und die Fa. Waldrich aus Siegen stationierte zwei Klemm-Flugzeuge in Schameder.

Die Piloten wohnten in einem Teil der Halle. Schameder war nicht nur der Flugplatz für das Siegerland geworden, es war der einzige Flugplatz im Raume Südwestfalen und erlebte seinen Höhepunkt, als er ab 1936, dem Jahr der Berliner Olympiade, beim Deutschlandflug angeflogen wurde. Auch die legendäre Hanna Reitsch war hier zu Gast.

Für die Segelflugschulung A und B war 1936/37 auf Anregung von Gustav Böhl in dem für Gummiseilstart geeigneten Gelände am Buchholz bei Weidenhausen eine zweite Halle errichtet worden.

Doch dann kam ein irrsinniger Krieg und setzte der Sportfliegerei ein jähes Ende. In der Nachkriegszeit legten die Sorgen und Nöte der Menschen die Fliegerei lahm. Es dauerte lange, bis der Flugsport wieder auflebte. Erst am 10. April 1954 berichtet die Tagespresse aus Erndtebrück: „Start frei für Schameder!" Die ersten Flüge der Nachkriegszeit führten im Jahre 1955 Ernst Steiner, Else Steiner, Gerhard Burgmann, Jürgen Lohse und Heinrich Radenbach mit einer „Mü 13" durch. Im Jahre 1956 erwarb Heinrich Radenbach eine „Tiger-Moth" in England, welche in der auf den Fundamenten der im Krieg abgebauten Hallen neu errichteten Halle ein Zuhause fand.

Unter der Leitung von Ernst Steiner begann nun ein eifriger Schulbetrieb.

In den Jahren von 1959 bis 1962 wurden regelmäßig Flugtage durchgeführt. Hier sei folgende Episode von dem Flugtag 1959 nicht vergessen: Ein mittlerweile hochgewachsenes Fichtenstück behinderte immer wieder den Flugbetrieb.

Bei den Rundflügen geriet eine Maschine kurz nach dem Start hinein und sackte zwischen den Bäumen ab. Während der Pilot mit einer Kieferverletzung zum Krankenhaus gebracht werden musste, sprach der Fluggast, ein junger Mann aus Wittgenstein, vor und klagte: „ Wor dos alles? Ech hon bezohlt, da well ech aach fleije!" ( War das alles? Ich habe bezahlt, dann will ich auch fliegen! ) Durch die Presse erfuhr die Lufthansa von dem unbeirrbaren Manne, und er durfte sich einen Freiflug auf einer ihrer Strecken wählen.

Das Jahr 1960 bereitete dem Verein einen herben Rückschlag: Das gerade gekaufte neue doppelsitzige Segelflugzeug ( Ka 7 ) und die Motormaschine gingen zu Bruch. Hierdurch kam der Betrieb fast zum Erliegen. Kurt Reichel wurde Geschäftsführer, die Ka 7 wurde wieder aufgebaut und eine „ Auster MK V" wurde als Schlepp-und Passagierflugzeug gekauft. Ab 1966 übernahm Paul Demandt aus Ferndorf die Schulung für Segelflug. Unter seiner Leitung bauten die Vereinskameraden eine leistungsfähige Doppeltrommelwinde, die heute, nach über vierzig Jahren, neben der in 2008 fertiggestellten neuen Winde noch im Dienste des Vereins steht. 1969 wurde der Einsitzer „Ka 8" D-0077 erworben. 1970 folgte dann der Doppelsitzer „ASK 13" D-0619. Beide Maschinen befinden sich noch heute im Vereinsflugzeugpark. Im gleichen Jahr wurde auch der Leistungseinsitzer „Foka 4" gekauft. Eine neue Schlepp- maschine, die viersitzige „Bölkow 207" D-EJFI gesellte sich 1971 dazu. Viele Veranstaltungen und einige großzügige Spenden ermöglichten dem stets wachsenden Verein 1973 die „Club Libelle" D-9474 und 1974 die „ASW 15" D-6869 zu erwerben. Um dem wachsenden Platzbedarf gerecht zu werden, wurde in einem spektakulären Einsatz die neben der Holzhalle befindliche Feldscheune mittels eines Autokranes um mehrere hundert Meter nach Westen talseits versetzt, und an deren alten Standort die „Blaue Halle" errichtet.

Die 1975 erworbene zweite Schleppmaschine „Piper PA 12" wurde 1977 durch eine „Morane MS 893" D-EGHH ersetzt. Im gleichen Jahr verließ die Foka 4 Schameder für immer. Erfolgreiche Flugtage unterstützt durch die Freunde der Britischen RAF ( Royal Air-Force ) mit ihrem legendären „Harrier" und ungezählten anderen Attraktionen ermöglichten 1978 den Erwerb eines doppelsitzigen Kunststoffsegelflugzeuges „Twin-Astir" D-4844.

Nicht zu vergessen seien auch hier die oft großzügigen Spenden der Freunde und Gönner des FSV-Schameder! Im Jahre 1979 wurde die durch eine harte Landung beschädigte Morane D-EGHH durch eine aus Frankreich importierte „Morane MS 180" D-EOWJ ersetzt. Die Whisky-Juliett zog die Segelflieger in Schameder in den Himmel. Die D-8742, ein einsitziger „Club-Astir" vervollständigte den Flugzeugpark in 1980. Mittlerweile hatte der Verein über 150 Mitglieder, von denen fast 60 aktiv flogen. Das alte Kantinengebäude, bestehend aus einer alten RAD Baracke war morsch und auch zu klein geworden. 1982 wurde diese Baracke abgerissen und durch ein neues zweigeschossiges Gebäude ersetzt. Dieses Gebäude wurde komplett in vielen hundert Arbeitsstunden von den Fliegerkameraden in Eigenleistung erstellt und wir sind noch heute stolz darauf. Können doch bis zu 20 Personen teils in Zweibettzimmern, teils in Mehrbettzimmern oder auf Lagern übernachten und am nächsten morgen die Annehmlichkeiten mehrerer Duschen und WC´s in Anspruch nehmen.

Viele Flugtage und Fliegerlager haben den nationalen und internationalen Bekanntheitsgrad des Flugplatz Schameder gefördert und manche Freundschaft, die bis in die heutigen Tage anhält, wurde geschaffen. Alle Attraktionen der Flugtage hier zu nennen, würde den Rahmen dieser Historie sprengen. Deshalb seien hier nur einige genannt: Hubschrauberstaffel „Blue Bees", Hubschrauber „Chinook", Royal Jordanian Falcons, Walter Extra, Harrier, F 104 G Starfighter der Luftwaffe, Martini Staffel, Messerschmitt ME 109, Antonov An2 ( erstmalig 1990 in Westdeutschland! DDR-WJG ), Speed Canard, Junkers Ju 52, The Red Arrows u.v.a.m. Im Jahre 1982 gesellte sich der erste Motorsegler, ein SF 25 Falke ( auch „Kuh" oder „Mofa" genannt) D-KDAT zum Flugzeugpark. Er wurde zur Überlandflugeinweisung eingesetzt, erfreute sich aber auch schnell einer großen Beliebtheit bei den nun vermehrt auftretenden PPL-B Inhabern (Motorseglerschein). 1985 wurde der Falke D-KDAT durch einen anderen Falken mit höherer Motorleistung ersetzt. Die D-KDFV sollte nun mehr als ein Jahrzehnt in Schameder fliegen. Die gute alte Bölkow, nun kein Schleppflugzeug mehr, weil die Leistungen nicht mehr den Anforderungen entsprachen, bekam noch ein neues „Herz" (Motor) implantiert, wurde aber Mitte der 80er Jahre durch eine weitere Morane MS 893 D-EGMR ersetzt. Die „Handbremsenmorane" (die Landeklappen wurden manuell mittels einem einer Autohandbremse ähnlich sehenden Hebel gefahren) wurde auch vermehrt für Gastflüge eingesetzt, da sie eine größere Zelle als die D-EOWJ hatte.
Die immer größer werdende Zahl der PPL-A Inhaber (Motorflugschein für einmotorige Flugzeuge mit einem Gesamtgewicht bis 2 t) im Verein ließ den Ruf nach einem „richtigen" Motorflugzeug immer lauter werden und so kam es, dass sich der Verein im Jahre 1988 stolzer Besitzer einer Cessna 172 Skyhawk D-EGGC nennen durfte. Diese Maschine bot gegenüber der nun verkauften Morane D-EGMR bessere Reiseflugeigenschaften und dient bis zum heutigen Tage den Vereinsmitgliedern als Reise- und Gastflugzeug.
Sie parkt nicht wie die Morane in der blauen Halle, sondern in der 1986 in Eigenleistung neu gebauten „grünen Halle", die sich ca. 170 m östlich des alten Hallen- und Kantinenkomplexes sanft in die Natur einbettet. Hier werden auch die z.T. privaten Motorflugzeuge sowie der „Lepo", Rettungswagen und Traktor untergebracht.

Nach dem Unglück 1988 auf dem amerikanischen Militärflughafen Ramstein in der Pfalz wurde es in Deutschland fast unmöglich, einen Flugtag mit großen Attraktionen durchzuführen. Dennoch gelang es dem Vorstand weiterhin, mit kleineren, aber nicht weniger attraktiven Flugtagen und anderen Veranstaltungen Geld für ein weiteres Segelflugzeug heranzuschaffen. So wurde im Jahre 1990 ein Nimbus 2C D-4987 erstmals in die blaue Halle geschoben. Die Segelflieger des Vereins freuten sich, konnten sie doch erstmals ein Vereinsflugzeug mit Wölbklappen fliegen. Damals für viele ein Novum. Dies schlug sich auch in den Platzierungen bei den teilgenommenen Wettbewerben nieder. Sei es an dem jährlich ausgeführten Vergleichsfliegen des Bezirks 11 NRW Siegen-Wittgenstein, diversen Jugendvergleichsfliegen bis auf Landesebene oder zur DMST- Wertung. Oft konnten sich die Fliegerkameraden einen Platz in den vorderen Rängen erfliegen oder standen gar ganz oben auf dem Siegertreppchen.

Das Rad der Zeit lief weiter, junge Gesichter kamen in den Verein, ältere verließen uns zum Teil leider für immer und der technische Fortschritt war nicht aufzuhalten. Moderne Flugzeuge kamen auf den Markt. Natürlich wollte man den Fortschritt nicht an sich vorbeifliegen lassen und man entschloss sich Mitte der 90er Jahre, den Segelflugzeug- und Motorseglerpark umzustrukturieren. So wurde der Nimbus D-4987 nach der Saison 1996 verkauft. 1997 verabschiedete sich der Twin Astir D-4844 von Schameder. Auch der in Gemischtbauweise (Stoffbespannter Stahlrohrrumpf und Stoffbespannte Holztragflächen) gehaltene Falke D-KDVF verließ das Wittgensteiner Land und wurde durch die „Super Dimona" D-KSCH in moderner Kunststoffbauweise ersetzt.
Über den Verlust des Twin Astir und des Nimbus mussten die Fliegerkameraden nicht lange trauern. Im April 1998 durften sie in dem nagelneuen Hochleistungsdoppelsitzer DG 505 D-6401 Platz nehmen. Dieses moderne Flugzeug mit seinen exzellenten Flugeigenschaften erfreute sich höchster Beliebtheit bei den Fliegerkameraden.

In Anbetracht der Tatsache, dass Flugtage seitens der Behörden so stark reglementiert werden, dass sich die Ausführung eines solchen nicht mehr lohnt, mussten neue Wege gefunden werden, um die steigenden Kosten (die Kraftstoffkosten sind in den letzten 15 Jahren förmlich explodiert) aufzufangen. Die in 2-jährigem Turnus ausgeführten Oldtimertreffen des FSV Schameder, bei dem nicht nur alte Flugzeuge mit ihrem Charme und ihren beeindruckenden Leistungen auf sich aufmerksam machen, sondern auch eine bunte Mischung aus historischen PKW´s , LKW´s, Motorrädern und Landwirtschaftlichen Fahrzeugen dem Besucher eine abwechslungsreiche Kurzweil bieten, haben sich neben anderen Veranstaltungen wie Open-Air Konzerten, Dorffesten u. a. zu einer festen Institution entwickelt. Seit eh und je haben die Fliegerkameraden ein gutes Verhältnis zu den Dorfbewohnern aus Schameder und pflegen dieses auch.